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Wir wollen liebe Demonstranten sein!

7.6.2015 - Heute und morgen findet auf Schloss Elmau in Oberbayern der G7-Gipfel statt. 20 000 Polizisten sichern das Gelände, 4000 Gullideckel wurden bis zu einer Entfernung von 8 Kilometern verschweißt, die Gesamtkosten zur Finanzierung der Plauderrunde unter Ausschluss Russlands betragen 150  Millionen Euro. In München findet naturgemäß eine Gegendemo statt, mitten in der City. Eine Veranstaltung von Attac München in Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen, dem Münchner Volkstheater und dem Residenztheater (siehe beigefügte „Gegenrede“). Vor fünf Wochen bin ich gebeten worden, einen Text zu verfassen, der bei dieser Veranstaltung mit den Texten anderer deutscher Schriftsteller in einer Art Dauerschleife von Schauspielern vorgetragen werden sollte. Gestern nun, zwei Tage vor dem Event, teilte man mir in aller Kürze mit, dass die Redakteure dieser Textsammlung meinen Beitrag aus dem Programm genommen haben. Begründung:

„Zu Deinem Text und seiner Art von Zuspitzungen können wir für den Zweck unserer Straßenlesung nicht Ja sagen“

Wozu die braven Veranstalter nicht Ja sagen konnten, ist dies:

„Ihr armen Reichen, ihr paranoiden Menschenverachter aus Wirtschaft und Politik, die ihr im Geheimen darüber nachdenkt, wie ihr uns zu Bewohnern eines anderen Planeten machen könnt - für euch ist es zur Tugend geworden, die Erde zu zerstören. Eure Entscheidung, das Universum als tot und bar jeder Intelligenz zu betrachten, hat es euch ermöglicht, es zu zergliedern und zu vergewaltigen, um ihm dann jeglichen Sinn jenseits menschlicher Nutzung abzusprechen. Wörter wie Fortschritt und Entwicklung werden von euch als Tarnwörter benutzt, die den Massenmord an Pflanzen, Tieren und Menschen rechtfertigen sollen. Letztlich steht – aus eurer Sicht – das ganze Universum dieser Art von Wahnsinn offen. Am wichtigsten aber ist die Tatsache, dass ihr bei all dem kein Gefühl des Verlustes verspürt. Ihr empfindet keine Befriedigung, wenn ihr etwas so Wunderbares wie einen Berg oder einen See oder ein Volk im Urzustand betrachtet. Eure  Befriedigung misst sich am materiellen Gewinn. So wird der Berg zu Kies, der See zu Kühlwasser und das Volk zu einem manipulierten Heer von Erfüllungsgehilfen.

Unsere Kinder wissen nicht mehr, was es bedeutet, über einen freien Geist zu verfügen. Es ist kein Wunder, dass sie die Erde nicht verteidigen, auf der sie leben. Sie leben gar nicht dort. Sie leben in der von euch geschaffenen Scheinwelt einer Unterhaltungsindustrie, nach Regeln und Gesetzen, die sie selber nicht gemacht haben. Sie leben überall, außer in ihrem Körper, auf ihrem Land, in diesem Moment, unter diesen Umständen. Das ist die Schuld, die ihr auf euch geladen habt. Man möchte euch fast weh tun, aus Furcht, ihr könntet niemals wissen, was Schmerzen sind. Aber vielleicht hat die globale Not, welche uns alle an den Rand der Existenz gebracht hat, ja dazu geführt, dass sich die Herzen der Menschen wieder öffnen. Ich wünsche allen, die ihre heilende Arbeit auf diesem Planeten aufnehmen wollen, gutes Gelingen.“

Leute, die so etwas als unangemessene Zuspitzung empfinden, die man einem Laufpublikum nicht zumuten kann, haben entweder keine Ahnung, was auf diesem Planeten gespielt wird, oder aber ihnen geht die Muffe, wie wir in Hamburg sagen. Soll heißen: ihnen ist ihr guter Ruf als institutionalisierte Opposition wichtiger als die Wahrheit. Wie heißt es so schön im Vorwort zur „Ökodiktatur“? „Man muss gar nicht radikal denken und handeln, um zu radikalen Ergebnissen zu kommen. Für gewöhnlich reicht die pure Ignoranz einer Gefahr, um sich ihr unversehens gegenüberzusehen.“ Radikal kommt von Radix – die Wurzel. Und wenn wir nicht an die Wurzel des Problems gehen, werden wir nie etwas zum Besseren wenden.

Das den staatlich geprüften Münchner Demonstranten ins Stammbuch, die viel Theater um Nichts machen ...

Zwei Hambürger

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