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Was ist besser: eine Diktatur zur Ausbeutung der Erde oder eine zu ihrem Schutz?

7.5.2015 - Vor zwanzig Jahren hatte ich auf Einladung der Universität Innsbruck einen Vortrag gehalten, mit dem ich dann später auch an den Universitäten in Hamburg, Bonn und Berlin vorstellig geworden bin. Wenn man sich diesen Vortrag heute noch einmal ansieht, muss man  feststellen, dass er von erstaunlicher Hellsicht geprägt war. Lesen Sie beispielsweise diese kleine Passage und vergleichen Sie den Text mit der aktuellen Debatte über die Geheimdienste:

„Fachkundige Attentäter, warnte der Darmstädter Staatsrechtler Alexander Roßnagel, könnten „Katastrophen nationalen Ausmaßes“ auslösen. Man müsse davon ausgehen, dass ganze Wirtschaftszweige ins Chaos gestürzt werden können. Eine nicht unbegründete Befürchtung, denn die gigantischen Datenmengen der Wirtschaft laufen in Deutschland durch insgesamt 1,86 Millionen Kilometer verbuddelter Stränge. Kraftwerke, Chemiefabriken, Militär, Polizei, Nachrichtendienste, Banken, Versicherungen, Krankenhäuser, Verwaltungen – die Welt hängt am Draht, und der ist verwundbar.

Die Öko-Krieger verstehen sich als die Robin Hoods der Neuzeit. Nach ihrem Verständnis sind die Aktionen Notwehrmaßnahmen gegen eine blindwütige Konsumgesellschaft, die nichts als verbrannte Erde hinterlässt. Einer ihrer Helden ist Paul Watson (Foto), ehemaliges Gründungsmitglied von Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation aber war ihm zu lau, zu kompromissbereit. Seit einigen Jahren schippert er mit seiner „Sea Shephard“ über die Meere und rammt Walfangschiffe. Watson: „Ich vertrete die Menschen, die noch nicht geboren sind, und die mit Verachtung auf unsere Generation zurückblicken werden.“

In einer Zeit, in der die Erde eher einem Industrie- und Verkehrspark als einem göttlichen Lebensraum gleicht, können solche Botschaften zu Initialzündungen werden. Seit Jahren haben wir uns mit immer neuen Parolen rüsten müssen: Rettet den Regenwald, rettet die Nordsee, rettet das Nashorn, rettet den, die, das...Wir haben ein Rückzugsgefecht nach dem anderen austragen müssen. Herausgekommen ist nichts. Selbst wenn der Südpol über Nacht auf zwanzig Quadratmeter schrumpfen und das letzte Dutzend Pinguine sich auf dem Kopf stehend mit den Fächerfüßen gegen die stechende Sonne zur Wehr setzen würde – das Gros der Menschen bliebe davon gänzlich unbeeindruckt. Wen wundert es da, dass die Gewaltbereitschaft unter denjenigen zunimmt, die den motorischen Wahnsinn durchschaut haben?

Damit hätte die Politik exakt jenes Problem am Hals, das Robert Jungk bereits im „Atomstaat“ beschworen hat. Seit Dezember 1994 liegt der deutschen Bundesregierung eine interne Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem Titel „Nuklearterrorismus: Fakten und Fiktionen“ vor. In ihr heißt es: „Die Kooperation mit den Nachrichtendiensten im europäischen oder transatlantischen Rahmen muss ausgebaut werden. Außerdem müssen die rechtlichen Kompetenzen der Nachrichtendienste und Ermittlungsbehörden neu überdacht werden.“ Um die wirtschaftlichen Interessen zu schützen, werden die Regierungen logischerweise dazu übergehen, die letzten demokratischen Grundrechte zu beschneiden – der gewaltsame Widerstand fanatischer Öko-Krieger wird also den totalen Überwachungsstaat nach sich ziehen. In den nächsten Jahren werden unsere Demokratien schrittweise zu inhaltsleeren Gebilden verkommen, hinter denen sich autoritäre Strukturen verbergen, wie sie so bisher nur in Diktaturen möglich schienen. An dieser Stelle muss man sich die Frage stellen, was denn besser sei: Eine Diktatur zur Ausbeutung der Erde oder eine zu ihrem Schutz?

Aus dem Vortrag „Die ignorierte Katastrophe – Plädoyer für eine Ökodiktatur“, nachzulesen im Anhang des Romans "GO! - Die Ökodiktatur"

Zwei Hambürger

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